Ich hab da was gehört.. #30

Zwei Freundinnen, unterwegs mit ihren insgesamt fünf Kindern, unterhalten sich in der U-Bahn neben mir.
Die eine zur anderen:
„Seufzzzz… Ich brauche einen Mann, der Ziele hat. Weißt du? Einen, der sagt: Mit 30 will ich das erreicht haben, mit 35 das, mit 40 das. Mein Mann ist überhaupt nicht so. Dem ist alles egal! Der ist zu überhaupt nichts zu gebrauchen!“

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Pssst – mein Tipp: Einen Mann heiraten, den man auch gebrauchen kann.

Das Gefühl, wenn…

…dir der Chef eines Unternehmens bei der Begrüßung nur vier Finger ganz butterweich in deine Hand legt, nicht mal ein kleines bisschen zudrückt und du dich beherrschen musst, dein Gesicht nicht angewidert zu verziehen und ihn zu fragen, was in seinem Leben eigentlich falsch gelaufen ist.

Dein ultimativer Social Media-Festivalguide

Der Sommer hat vor ein paar Tagen nun offiziell begonnen und auch wenn einige große Festivals dieses Jahres schon wieder Geschichte sind, geht die Festivalsaison dennoch jetzt erst so richtig los.
Ach Festivals! Hier dreht sich alles um Musik, gute Laune, Freiheitsgefühl, schöne Momente und die perfekte Social Media-Präsenz. Gehörst du zu denjenigen, die in nächster Zeit eins dieser Festival-Dinger nutzen möchten, um deinen Freunden, Bekannten und dem Typ von dieser einen Party zu zeigen, was für ein perfektes, grandioses, lustiges Leben du führst? Dann bist du hier richtig! Ich habe einige Tipps für dich zusammengestellt, wie du dein nächstes Festival bestmöglich nutzen kannst, um über dein trauriges Leben hinwegzutäuschen und gleichzeitig mehr Likes zu bekommen als die Anzahl der Avocados, die du die letzten zwei Jahre verspeist hast:

Vorfreude posten
Die Arbeit beginnt nicht erst kurz vor der Anreise zum Festival deiner Wahl – nein, es beginnt mit unzähligen Vorfreude-Postings. Hier kannst du richtig kreativ sein: Poste ein Foto deines Tickets, poste Umfragen, welche Outfits du mitnehmen sollst, poste Songs von Bands, die auftreten werden, you get it. Der Inhalt ist egal, wichtig ist nur: Ziere deine Postings mit ganz vielen bunten Herzchen- und Tralala-Party-Emojis und schreibe jedes Mal mit vielen Ausrufezeichen, wie sehr du dich auf diese Tage freust und wie genial dieses Festival mit den besten Menschen, die du Freunde nennst, und diesen tollen Künstlern, von denen du noch nie gehört hast, werden wird. Es gibt dabei kein zu viel. Gehe ruhig all deinen Followern schon vor dem Event so richtig auf die Nerven.

Häuschen mieten
Schlafe niemals in einem selbst mitgebrachten Zelt auf dem Campingplatz mit dem Pöbel. Wenn du nicht ohnehin in einem Hotel schläfst, mietest du dir natürlich so ein süßes, buntes Komfort-Häuschen oder so ein Wigwam-Ding, die mittlerweile alle Festivals für moderate Preise um die 4499,- zur Verfügung stellen. Das zeigt nicht nur bei allen Postings wie speziell du bist – nein, dort gibt es auch die lebenswichtigen Steckdosen und zusätzlich ist der Bereich immer abgesperrt, so dass deine Fotoshootings viel unkomplizierter abgewickelt werden können.

Accessoires, Accessoires, Accessoires
Was soll ich sagen. Ohne haufenweise goldene Klebe-Tattoos, Glitzersteinchen fürs Gesicht, Blumenkränze/Haarbänder/Hüte, Fransen-Shorts/Fransen-Taschen/Fransen-Westen, Netzstrumpfhosen, Booties in verschiedenen Farben, zehn Sneaker-Paare zum Wechseln, Boho-Ketten und Boho-Ringe, hunderte Armbändchen und fünfzehn Spitzen-BHs bist du nicht ready.

Iss das Richtige
Oder tu zumindest so. Ideal wäre, wenn du dich vor dem Festival zur Form deines Lebens hungerst und trainierst, damit du deinen flachen Bauch in Croptops und deine Thigh-Gap in Mini-Jeansshorts präsentieren kannst. Um deinen Followern zu zeigen, dass du Kalorien zählen, Low-Carb und den ganzen Blödsinn dennoch nicht nötig hast und einfach von Natur aus so ein heißes Gerät bist, solltest du jeden Festival-Tag mindestens zwei Fotos online stellen, auf denen zu sehen ist, wie du scheinbar Pizza, Burger und sonstiges Festival-Fastfood verdrückst. Die Leute lieben dünne Mädchen, die fettiges Essen in sich hineinstopfen. Du findest danach sicher irgendwelche Betrunkenen, die das Zeug tatsächlich essen wollen. Nachdem du das erledigt hast, solltest du den einzigen Smoothie-Stand am ganzen Gelände suchen und einen 15-Euro-Gurken-Limetten-Kohl-Smoothie trinken – das muss reichen. Fülle den Bauch bei akutem Hungergefühl mit Wasser. Aber bitte nicht zu viel, du willst doch keinen Blähbauch auf den Fotos haben.

Vergiss die Musik
Die Konzerte müssen dir komplett egal sein, schließlich ist es vor der Bühne nur heiß, eng, staubig, verschwitzt und all das, was schlecht für dein Aussehen ist. Wenn alle anderen vor den Bühnen feiern, kannst du auf deinem Blog und sämtlichen Social Media-Kanälen deine neidischen Follower auf den neuesten Stand bringen. Schau einfach im Internet nach, wer gerade auf der Bühne steht und checke regelmäßig, was andere vom Festival so tweeten, damit auch du sofort aktuelle Statusnachrichten posten kannst. In der restlichen Zeit solltest du dir gute Foto-Locations suchen und die Speicherkarte deiner Spiegelreflexkamera zum Glühen bringen. Absoluter Geheimtipp: Bei jedem Festival gibt es ein Riesenrad, das sich besonders gut im Hintergrund deiner Fotos macht. Ohne ein freiwilliges Opfer wird das allerdings schwierig, also bringe am besten einen verzweifelten und naiven Mann mit, der so tief in der Friendzone steckt, dass er alles für dich tun würde. Für den idealen Content kommst du jedoch nicht ganz an der Musik vorbei: Irgendwann solltest tatsächlich auch du kurz den Bereich vor der Bühne aufsuchen (bei Sonnenuntergang!) und dir dort einen gut gebauten Typen angeln, auf dessen Schultern du dich setzen kannst. Schmeiß dabei die Hände in die Höhe und lass dich von hinten fotografieren – Hashtag Festivalfeeling, Hashtag Lieblingsband, Hashtag Bestconcertever, Hashtag Ilovemylife.

Frag dich, was zum Teufel du da eigentlich machst
Zusatzaufgabe für den Heimweg: Denke gründlich darüber nach, was für ein oberflächliches, erbärmliches und lächerliches Wesen aus dir geworden ist. Weine.

Die Sache mit dem Superbusy-S(ch)ein

(Manche) Menschen heute so:

Hast du vielleicht am dritten August-Wochenende Zeit für einen Kaffee? Am Samstag Vormittag so um 9? Wenn das bei dir nicht geht, dann könnte ich noch Mitte Oktober oder in der ersten November-Woche, aber da müsstest du mir bitte ganz bald Bescheid geben.
Es ist nämlich so, dass nächste Woche die Nichte vom Thomas Geburtstag hat, dann sind wir für ein Wochenende in Paris, danach ist der Junggesellinnen-Abschied von der Mara und das Wochenende darauf bin ich für eine berufliche Fortbildung in Berlin. An dem einen Sonntag muss ich mir die Panda-Babys im Zoo endlich anschauen – Ha, sind das überhaupt noch Babys? Keine Ahnung wie schnell Pandas wachsen!
Na da fällt mir ein: Mit den Fischen muss ich ganz dringend zum Tierarzt und ich wollte schon lange endlich nach dieser alten Lampe im Keller suchen. Ende Juli sind wir wie jedes Jahr auf Sardinien und die Wochen davor bin ich sowieso immer im Vorurlaubsstress. Keine Ahnung, wo ich dieses Jahr schon wieder schöne, neue Bikinis finden soll. Mit der Suche bin ich sicher wieder ewig beschäftigt, du weißt ja wie ich bin! Natürlich ist da dann noch die Einweihungsfeier vom Flo – den kennst du auch noch von früher oder? – und die Hochzeit von David und Anna. Unter der Woche ist es leider so gut wie immer schlecht, weil ich abends entweder überhaupt keine Lust auf dich habe oder mich mit anderen Freunden treffe, die ich auch wirklich sehen will und für die ich mir Zeit nehme.
Aber wegen diesem August-Wochenende – gib unbedingt Bescheid! Ich werde dir diesmal auch nicht absagen, versprochen! Obwohl ich in der ersten August-Woche auch eine total wichtige Deadline eines wichtigen Projekts habe, aber das wird schon irgendwie gehen, ein paar Stunden kann ich mir für dich definitiv Zeit nehmen. Ich seh dich ja so gern!

Das Gefühl, wenn…

…du eine Band, die du sehr magst, das erste Mal live siehst und du von deiner Recherche schon weißt, dass sie bei allen vorhergehenden Terminen der Tour immer dieselbe Setlist gespielt haben und dein Lieblingslied nie dabei war – und dann kurz vor Ende des Auftritts ganz unverhofft auf einmal die ersten Akkorde dieses Lieblingslieds ertönen.

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10 Sätze, die Menschen mit sehr heller Haut nicht mehr hören können

Als ich diese Woche die neue „Girls“-Folge schaute und sich Hannah Horvath aka Lena Dunham in einer Szene von einer Fremden sagen lassen musste, dass sie sich mit Sonnencreme einschmieren soll und dass sie verdammt blass ist, ist mir wieder eingefallen, dass ich diesen Blogpost schon vor langer Zeit schreiben wollte.
Ich lebe mittlerweile doch weit über zwei Jahrzehnte in diesem Körper, in dieser Haut. Es gibt Zeiten, da mag ich sie weniger, es gibt Zeiten, da finde ich sie toll. (Ganz typisch gehörte die Schulzeit eher zu den ersteren.) Es ist zwar nicht immer einfach, den Sommer „unbeschadet“ zu überstehen und auch die Blicke am Strand werden einem irgendwann egal – am nervigsten und anstrengendsten sind jedoch die Menschen, die glauben, sie müssten meine Haut immer wieder kommentieren und mir sagen, wie ich mit ihr umzugehen habe. Es gibt einige Sätze, die wir Hellhäutigen wirklich nicht mehr hören können:

Der Klassiker: „Ohje.. geht’s dir gut? Du schaust so blass aus!“
Ja, das hast du richtig erkannt. Das ist mein Gesicht. Das schaut so aus. Alles gut.

„Gehst du nicht gern in die Sonne? Du bist so weiß.“
Oder auch: „Du solltest öfter raus in die Sonne!“ (Manchmal mit dem Zusatz: „Da kriegst auch du ein bisserl Farbe!“)
Ehrlich? Wenn ich aus dem neuen Hader-Film „Wilde Maus“ zitieren darf: Halt einfach die Pappn. Nach einigen Monaten Dauersonnenbestrahlung könnte das mit den Bikinistreifen vielleicht funktionieren, ansonsten: keine Chance. Und mir ist schon klar, dass ich nach Sport oder einer Spazierrunde in der Kälte „gesünder“ aussehe – helle Haut hat eben leider auch die Eigenschaft, sich bei Anstrengung und großen Temperaturunterschieden (oder Scham…) in einen Hummerton zu verfärben, um zwei Stunden später wieder mit der weißen Wandfarbe zu konkurrieren. Aber wenn es dir angenehmer ist, kann ich mich ja einfach jede Stunde einmal so richtig blamieren, dann gelingt das mit dem frischen Dauer-Teint.

Von Fremden: „Sie sollten sich in den Schatten legen. Passen’S auf mit Ihrer Haut!“
Vielen Dank, der Herr. Sehr rührend, dass Sie sich Sorgen um mich machen. Und auch sehr notwendig. Ich habe nämlich selbst keine Ahnung davon, was ich hier mache und ich lasse mir wahnsinnig gern von älteren Männern erklären, wie ich mit meinem Körper umzugehen habe.
Mit blasser Haut kann man’s eben niemandem recht machen. Liegt man in der Sonne, sollte man besser aufpassen und sich um Himmels Willen in den Schatten legen – liegt man im Schatten, sollte man sich in die Sonne bewegen, damit man doch endlich ein bisserl Farbe kriegt.

„Mit welchem Lichtschutzfaktor hast du dich eingeschmiert? Eh mit 50?“
Kommt eigentlich nur von nahestehenden Personen, deswegen: Ich weiß du meinst es gut, aber kann ich mir meinen Lichtschutzfaktor bitte selbst aussuchen?!

„Du leuchtest ja förmlich!“
Joa. Cool, gell? Kommt gut unter UV-Licht.

„Du warst im Urlaub? Sieht man gar nicht.“
Muss man auch nicht.

„Das schwarze Outfit? Du solltest was Frischeres tragen.“
Tja, oft genug trage ich „was Frischeres“ – oft genug auch nicht. Ich mag mich in schwarz. Und nein, ich bin nicht unter die Goths gegangen und feiere auch keine schwarzen Messen. Schön, dass ich nur mir selbst gefallen muss und niemandem sonst.

„Ha! Schau wie braun ich bin!“ während er/sie den Arm neben deinen hält
Gratulation – du hast eine dunklere Hautfarbe als ich. Genauso wie 98% der Menschen, 70% der Vampire und ca. 50% der Albino-Kängurus. Große Leistung, muss ich schon sagen.

„Ach sei doch froh. So hast du zumindest nicht das Problem… [Hier Bullshit einfügen].“
Oder auch „Ach mach dir nichts draus. Zu dir passt es voll gut!“ mit mitleidigem Gesichtsausdruck
Ach neee lass den „aufmunternden Zuspruch“ und das Mitleid stecken. Ich habe einen relativ empfindlichen Würgereiz.

„Du siehst aus wie eine Skandinavin!“ bzw. „Kommst du aus Schweden/Skandinavien?“
Das sind definitiv die Sätze, mit denen ich noch am besten leben kann. Seit ich selbst gesehen habe, wie wahnsinnig viele hübsche Frauen auf den Straßen Schwedens herumlaufen, ist das wirklich ein Kompliment. Nej, men tack!

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(c) someecards.com

Also ehrlich: Hört damit auf. Wir wissen das alles. Und können gut auf uns selbst aufpassen. Sonst beginne ich auch irgendwann damit, zu braungebrannten Menschen Dinge zu sagen wie:
„Sie sind aber braun! Das schaut aber nicht mehr gesund aus!“
„Wollen Sie das bei Ihrem Hauttyp wirklich tragen? Die Farbe passt eher diesen hellen, blassen Typen.“
oder „Gehen Sie bitte in die Sonne? Der Schatten ist für die sehr hellhäutigen Menschen reserviert.“