Ich hab da was gesehen.. #2

Letztens hat eine Frau in der vollen Straßenbahn einen dieser Supermarkt-Schokoladenkuchen inklusive Schokoglasur aus der Plastikverpackung befreit und angefangen ihn einfach so im ganzen Stück genüsslich zu verspeisen – ohne sich auch nur ein bisschen um die vielen Blicke zu kümmern.
Egal ob Liebeskummer, PMS, alles blöd oder einfach so: I feel you, sister.
Kuchen Cake

Das Gefühl, wenn…

…du am Sonntagmorgen aufwachst und realisierst, dass Sonntag ist, dich deshalb noch einmal umdrehst, den ganzen Tag absolut keine Termine oder Verpflichtungen auf dich warten, draußen leise Regentropfen auf das Blechdach klappern und sich an beiden Seiten zwei flauschige Katzenkugeln laut schnurrend an dich schmiegen.
Katze

Ich hab da was gehört.. #31

Zwei junge Frauen unterhalten sich:
„Schaust du auch Game of Thrones?“
„Pfft natürlich!!! Also wirklich… wer schaut denn bitte nicht Game of Thrones?“
„Nageh so isses jetzt auch wieder nicht. Ich kenne Leute, die nicht Game of Thrones schauen.“
„Echt? Die müssen ja seltsam sein. Wer ist das so?“
„Na ja halt… zum Beispiel äh… meine Oma.“
Jon Snow

G-rant: Healthy Shaming

Body Shaming, Fat Shaming, Skinny Shaming – alles Begriffe, die mittlerweile omnipräsent sind, über die (glücklicherweise!) immer mehr nachgedacht und berichtet wird. Meistens mit dem Ziel, das Bewusstsein für die Individualität des Menschen und für Body Positivity zu schaffen und zu erhöhen. Und obwohl wir hier noch ein riesiges Stück Arbeit vor uns haben, stelle ich in letzter Zeit fest, dass die Figur und das Aussehen selbst manchmal gar keine so große Rolle spielen, sondern mehr, was dieser „dicke“, „dünne“, „schöne“, „ungewöhnliche“ Körper zu sich nimmt. Wenn es um die Aufnahme von Nahrungsmitteln geht, erkenne ich in meinem Umfeld eine zunehmende Verbreitung eines Phänomens, das ich als „Healthy Shaming“ bezeichne. Äußerst selten habe ich mitbekommen oder gehört, dass jemand sagt „Oh du isst schon wieder Burger mit Pommes? Puh denkst du wirklich, das ist eine gute Idee?“ oder „Noch ein Stück Torte? Ehrlich? Vielleicht doch lieber einen Apfel?“. Solche Sätze nehmen wir als sehr unverschämt und beleidigend wahr und würden den meisten Menschen so nicht über die Lippen kommen.
Shhh Healthy ShamingWenn es sich jedoch um gesunde Mahlzeiten handelt, haben viele Personen kein Problem damit, diese zu kommentieren und zu beurteilen. Ohne weiter darüber nachzudenken oder sich dabei merkwürdig zu fühlen. „Schon wieder Salat? Ich könnte das ja nicht, ich brauche etwas Richtiges zu essen.“, „Boah du isst immer SO gesund! Schon wieder nur Grünzeug!“ oder auch „Na klar isst du wieder nur Obst. Hätte mich auch gewundert, wenn du jetzt mal richtig zugeschlagen hättest.“. Automatisch hat man immer gleich das Gefühl, sich rechtfertigen oder erklären zu müssen. Ja, aber du hast ja keine Ahnung, was ich am Wochenende alles gegessen habe! Was redest du da, ich habe doch gestern in deiner Anwesenheit ein Schokocroissant gefuttert! Aber gestern Abend habe ich mir vorm Fernseher Chips, Schokolade und Cheesecake gegönnt! Man sieht doch allein an meiner Figur, dass ich mich nicht ständig so ernähre! Na ja jetzt kommt aber bald die Weihnachtszeit und du weißt eh wie das ist! … Mittlerweile habe ich damit aufgehört. Oder versuche zumindest in den meisten Fällen, den Kommentar einfach so stehen zu lassen. Ich muss mich nicht dafür rechtfertigen oder entschuldigen, wenn ich Salat und Obst esse. Selbst wenn ich die ganze Zeit nur gesund essen oder 55 Kilogramm wiegen würde.
Manchmal enthalten diese Kommentare einen Zusatz und somit auch schon den Grund für ebendiese, nämlich: „Wenn ich dein Essen sehe, bekomme ich ein ganz schlechtes Gewissen, wenn ich jetzt das Stück Torte/den Burger/Wasauchimmer esse.“ Ganz sicher der schwerwiegendste Grund, warum wir über gesunde Essensentscheidungen in einem abwertenden Ton urteilen, ist, dass diese Person uns einen unangenehmen Spiegel vorhält. Weil wir uns eigentlich auch gesund ernähren möchten, es aber nicht hinkriegen. Oder weil wir uns eigentlich auch gesund ernähren sollten, es aber nicht wollen. Aber diese Person da macht es. Direkt vor uns. Das kann hart sein, das verstehe ich vollkommen. Ich selbst nehme mich hier absolut nicht raus – mir ist sehr wohl bewusst, dass auch ich manchmal kommentiere, wenn jemand seit langer Zeit keine Kohlenhydrate zu sich nimmt, sich vegan ernährt oder den ganzen Tag gar nichts isst. Seit ich am eigenen Leib erfahre, wie unnötig und teilweise auch ungut das ist und sein kann, versuche ich das jedoch zu vermeiden. Mir ist es ja auch egal, wenn du jeden Tag gebratene Ente mit einem riesigen Haufen Glutamat-Nudeln futterst. Also lass mich bitte meinen Salat essen – ohne Kommentar.

Ich hab da was gehört.. #30

Zwei Freundinnen, unterwegs mit ihren insgesamt fünf Kindern, unterhalten sich in der U-Bahn neben mir.
Die eine zur anderen:
„Seufzzzz… Ich brauche einen Mann, der Ziele hat. Weißt du? Einen, der sagt: Mit 30 will ich das erreicht haben, mit 35 das, mit 40 das. Mein Mann ist überhaupt nicht so. Dem ist alles egal! Der ist zu überhaupt nichts zu gebrauchen!“

comic book guy

 

Pssst – mein Tipp: Einen Mann heiraten, den man auch gebrauchen kann.

Das Gefühl, wenn…

…dir der Chef eines Unternehmens bei der Begrüßung nur vier Finger ganz butterweich in deine Hand legt, nicht mal ein kleines bisschen zudrückt und du dich beherrschen musst, dein Gesicht nicht angewidert zu verziehen und ihn zu fragen, was in seinem Leben eigentlich falsch gelaufen ist.

Dein ultimativer Social Media-Festivalguide

Der Sommer hat vor ein paar Tagen nun offiziell begonnen und auch wenn einige große Festivals dieses Jahres schon wieder Geschichte sind, geht die Festivalsaison dennoch jetzt erst so richtig los.
Ach Festivals! Hier dreht sich alles um Musik, gute Laune, Freiheitsgefühl, schöne Momente und die perfekte Social Media-Präsenz. Gehörst du zu denjenigen, die in nächster Zeit eins dieser Festival-Dinger nutzen möchten, um deinen Freunden, Bekannten und dem Typ von dieser einen Party zu zeigen, was für ein perfektes, grandioses, lustiges Leben du führst? Dann bist du hier richtig! Ich habe einige Tipps für dich zusammengestellt, wie du dein nächstes Festival bestmöglich nutzen kannst, um über dein trauriges Leben hinwegzutäuschen und gleichzeitig mehr Likes zu bekommen als die Anzahl der Avocados, die du die letzten zwei Jahre verspeist hast:

Vorfreude posten
Die Arbeit beginnt nicht erst kurz vor der Anreise zum Festival deiner Wahl – nein, es beginnt mit unzähligen Vorfreude-Postings. Hier kannst du richtig kreativ sein: Poste ein Foto deines Tickets, poste Umfragen, welche Outfits du mitnehmen sollst, poste Songs von Bands, die auftreten werden, you get it. Der Inhalt ist egal, wichtig ist nur: Ziere deine Postings mit ganz vielen bunten Herzchen- und Tralala-Party-Emojis und schreibe jedes Mal mit vielen Ausrufezeichen, wie sehr du dich auf diese Tage freust und wie genial dieses Festival mit den besten Menschen, die du Freunde nennst, und diesen tollen Künstlern, von denen du noch nie gehört hast, werden wird. Es gibt dabei kein zu viel. Gehe ruhig all deinen Followern schon vor dem Event so richtig auf die Nerven.

Häuschen mieten
Schlafe niemals in einem selbst mitgebrachten Zelt auf dem Campingplatz mit dem Pöbel. Wenn du nicht ohnehin in einem Hotel schläfst, mietest du dir natürlich so ein süßes, buntes Komfort-Häuschen oder so ein Wigwam-Ding, die mittlerweile alle Festivals für moderate Preise um die 4499,- zur Verfügung stellen. Das zeigt nicht nur bei allen Postings wie speziell du bist – nein, dort gibt es auch die lebenswichtigen Steckdosen und zusätzlich ist der Bereich immer abgesperrt, so dass deine Fotoshootings viel unkomplizierter abgewickelt werden können.

Accessoires, Accessoires, Accessoires
Was soll ich sagen. Ohne haufenweise goldene Klebe-Tattoos, Glitzersteinchen fürs Gesicht, Blumenkränze/Haarbänder/Hüte, Fransen-Shorts/Fransen-Taschen/Fransen-Westen, Netzstrumpfhosen, Booties in verschiedenen Farben, zehn Sneaker-Paare zum Wechseln, Boho-Ketten und Boho-Ringe, hunderte Armbändchen und fünfzehn Spitzen-BHs bist du nicht ready.

Iss das Richtige
Oder tu zumindest so. Ideal wäre, wenn du dich vor dem Festival zur Form deines Lebens hungerst und trainierst, damit du deinen flachen Bauch in Croptops und deine Thigh-Gap in Mini-Jeansshorts präsentieren kannst. Um deinen Followern zu zeigen, dass du Kalorien zählen, Low-Carb und den ganzen Blödsinn dennoch nicht nötig hast und einfach von Natur aus so ein heißes Gerät bist, solltest du jeden Festival-Tag mindestens zwei Fotos online stellen, auf denen zu sehen ist, wie du scheinbar Pizza, Burger und sonstiges Festival-Fastfood verdrückst. Die Leute lieben dünne Mädchen, die fettiges Essen in sich hineinstopfen. Du findest danach sicher irgendwelche Betrunkenen, die das Zeug tatsächlich essen wollen. Nachdem du das erledigt hast, solltest du den einzigen Smoothie-Stand am ganzen Gelände suchen und einen 15-Euro-Gurken-Limetten-Kohl-Smoothie trinken – das muss reichen. Fülle den Bauch bei akutem Hungergefühl mit Wasser. Aber bitte nicht zu viel, du willst doch keinen Blähbauch auf den Fotos haben.

Vergiss die Musik
Die Konzerte müssen dir komplett egal sein, schließlich ist es vor der Bühne nur heiß, eng, staubig, verschwitzt und all das, was schlecht für dein Aussehen ist. Wenn alle anderen vor den Bühnen feiern, kannst du auf deinem Blog und sämtlichen Social Media-Kanälen deine neidischen Follower auf den neuesten Stand bringen. Schau einfach im Internet nach, wer gerade auf der Bühne steht und checke regelmäßig, was andere vom Festival so tweeten, damit auch du sofort aktuelle Statusnachrichten posten kannst. In der restlichen Zeit solltest du dir gute Foto-Locations suchen und die Speicherkarte deiner Spiegelreflexkamera zum Glühen bringen. Absoluter Geheimtipp: Bei jedem Festival gibt es ein Riesenrad, das sich besonders gut im Hintergrund deiner Fotos macht. Ohne ein freiwilliges Opfer wird das allerdings schwierig, also bringe am besten einen verzweifelten und naiven Mann mit, der so tief in der Friendzone steckt, dass er alles für dich tun würde. Für den idealen Content kommst du jedoch nicht ganz an der Musik vorbei: Irgendwann solltest tatsächlich auch du kurz den Bereich vor der Bühne aufsuchen (bei Sonnenuntergang!) und dir dort einen gut gebauten Typen angeln, auf dessen Schultern du dich setzen kannst. Schmeiß dabei die Hände in die Höhe und lass dich von hinten fotografieren – Hashtag Festivalfeeling, Hashtag Lieblingsband, Hashtag Bestconcertever, Hashtag Ilovemylife.

Frag dich, was zum Teufel du da eigentlich machst
Zusatzaufgabe für den Heimweg: Denke gründlich darüber nach, was für ein oberflächliches, erbärmliches und lächerliches Wesen aus dir geworden ist. Weine.